Die Welle der erforderlichen Planänderungen reißt nicht ab. Neue Ereignisse und Informationen fordern uns, sofort darauf zu reagieren. Die Flüchtlingslager um Remada, Djerba und Tataouine haben sich sehr geleert. Natürlich sind alle froh, doch so schnell zurück in ihre Heimat gehen zu können. Wir freuen uns für diese Menschen, stehen aber vor dem Problem nicht einfach mehr in den Lagern abladen zu können.
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Für uns ist das ganze Ausmaß erst jetzt ersichtlich. Außerhalb der Lager sind tausende Flüchtlinge von tunesischen Familien aufgenommen worden. Sie wurden registriert und über sogenannte Ausgabestellen versorgt. Unsere Aufgabe ist nicht ganz leicht, einzuschätzen wie die Entwicklung der nächsten Tage und Wochen verläuft. Die Entscheidung, welchem Lager bzw. welcher Ausgabestelle wir am nötigsten und effektivsten helfen können, steht an. Letzte Nacht wurden Nahrungsmittel, Kinderausstattung und Verbandsmittel für Tripoli und ein Waisenhaus auf libysche LKW verladen. Unsere Abendmahlzeit danach um 2:30 Uhr war fast schon ein Frühstück.
Es ist Mittwoch, 8 Uhr morgens. Aziz, ein sehr gewissenhafter Mensch aus Zwara in Libyen ist mit 2 LKW gekommen. Ich freue mich, ihn zu sehen. Seit vielen Jahren haben wir Kontakt. Alles was er übernimmt, weiß ich in zuverlässigen und ehrlichen Händen. Er wird die Versorgung libyscher Krankenhäuser mit medizinischer Ausrüstung und einem Teil der Lebensmittel übernehmen. Die komplette Einrichtung von 2 OP Sälen, Beatmungs- sowie EKG-Geräte und weitere wertvolle Stücke sind dabei.
Noch einen anderen Grund zur Freude gibt es. Allen Unkenrufen zum Trotz, die 4 Tonnen Kartoffeln und das Gemüse sind wie aus dem Laden, einfach top. Youssef Ben Slama, Vorsitzender der“ Noor Association for Humanitarian Relief“ ist unser ständiger Begleiter. Er organisiert, beantwortet Fragen, dolmetscht und stellt Verbindung zu Kontaktleuten her. Gleiches tut auch Martina für uns, die in ihrer Freizeit schon lange in der Humanitären Hilfe tätig ist.
Ein seltsamer Schauer überfällt mich als ich heute gemalte Bilder von Flüchtlingskindern sehe. Man braucht kein Psychologe zu sein um in diese Seelen schauen zu können. Kein Wunder, dass uns solche Momente in der Wichtigkeit unserer Hilfslieferung bestärken. Auch heute wird es spät werden, denn neben der Arbeit werden wir immer wieder zu einer kurzen geselligen Runde gebeten. Man möchte mit uns reden, uns die Freude zum Ausdruck bringen über die Hilfe aus Deutschland, über soviel Anteilnahme in „Alemania“. Kusshände von Männern ist etwas sehr ungewöhnliches für uns, wir spüren aber, dass sie von Herzen kommen, wie viel Dankbarkeit sie ausdrücken.
Wenn wir anhalten sind sofort viele Hände zur Stelle die uns behilflich sind. Das ist gut, denn fast 50 Tonnen sind insgesamt zu bewältigen. Auf den Fahrzeugen selbst arbeiten ausschließlich wir. Ein paar Lebensmittel werden wir auf dem LKW lassen. Uns ist von einer Stelle in den Bergen vor Matmata berichtet worden, wo auch große Not herrscht und wir uns diese ansehen wollen. Bis dahin wissen wir auch wo wir unsere übrigen 2 Fahrzeuge treffen. Sie haben Stellen am Wüstenrand vor den Toren von Douz. angefahren. Gemeinsam werden wir dann den langen Rückweg in den Norden antreten.